Weinrallye#22: Ein durchsichtiges Manöver

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So läuft das manchmal: War ich vor wenigen Wochen noch ebenso erfreut wie ambitioniert, was das Thema der heutigen Weinrallye anbelangt, so muss ich der fehlenden Zeit für Recherche, Aufbereitung und Verarbeitung nun doch Tribut zollen. Aber für eine kurze Äußerung soll es reichen, die ebenso ablenkt von fehlender Vorbereitung wie hinführt zu einer klaren Meinung zu einer vollkommen transparenten Angelegenheit:

Es konnte wohl nur Thomas sein, der Erfinder der deutschsprachigen Weinrallye: Weg mit der thematischen Fixierung, her mit einem ganz anderen Blickwinkel auf Genuss und dessen Herkunft. Und sehr schnell nach Annoncierung dieses wohlüberlegten Grenzdurchbruchs stand mir die Idee vor Augen, worüber ich schreiben wollte: Wasser! Elementarer kann ein Thema aus dem Bereich Nahrung und Genuss nun wirklich nicht sein. Wasser kann durch nichts anderes ersetzt werden; und das rund 3 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, ist erstens ein zivilisatorisches Schandmal und zweitens eine sehr wahrscheinliche Ursache künftiger Konflikte – man denke nur an das Thema Erdöl und an die Frage, was die Länder, die heute ihren Wohlstand ausschließlich aus der Gewinnung fossiler Brennstoffe beziehen, wohl in Zukunft mit ihren Waffenarsenalen anfangen könnten.

Doch bleiben wir zunächst in Deutschland: Wie schon oft festgestellt wurde, regelt die Trinkwasserverordnung die Qualität unserer Wasserverordnung strenger und kompromissloser, als es für Mineral- oder Tafelwasser der Fall ist. Und mehr noch als bei jedem Vergleich von Discounter-Bier mit Markenprodukten oder klassifiziertem Weinadel mit bürgerlichem Tropfen wird beim Wasser deutlich, wie schwer Marketing und Vertrieb wiegen, wenn es um den Preis eines Produkts geht. Ein Liter Leitungswasser kostet in Deutschland, selbst unter Einberechnung aller Nebenkosten und des Abwasseranteils, deutlich unter einem Eurocent. Im Handel erhält man selbst das günstigste Wasser vom Discounter nicht unter 10 Eurocent. Auch das Zehnfache ist keineswegs außergewöhnlich, und in der Gastronomie wird mittlerweile auch gern schon mal die 10-Euro-Grenze geknackt – für 0,7 L, wohlgemerkt.

Was nichts kostet, ist nichts wert? Mitnichten. Auch wenn uns Liberalisierungsfetischisten und Privatisierungsprediger lange Zeit das Gegenteil einreden wollten, halte ich die Profitorientierung dort für ausgesprochen schädlich, wo es um die absolute Grundversorgung geht. Welcher private Verbraucher hat von dem liberalisierten Strommarkt profitiert? Wer hat – zumal in den letzten Monaten – bei weltweit operierenden Konzernen ein nennenswertes Verantwortungsgefühl registriert? Und wer würde ernsthaft erwarten, dass sich gewinnorientierte Unternehmen an einer kompromisslosen Sicherheits- und Qualitätsphilosophie mit Vollversorgungsgarantie ausrichten würden, wenn es um die Wasserversorgung geht?

Ich hoffe, dass die Wasserversorgung nach lange in staatlicher Hand bleibt; im Gegensatz zu Anderem beherrscht der Staat dieses Thema ganz gut. Und auch im Sinne der Regionalität ist diese Kräfteverteilung durchaus: Die Wasserversorgung ist in Deutschland ganz überwiegend in kommunaler Hand, die Transportwege sind also kurz.

Wie so oft, behält Harald Schmidt am Ende Recht: „Ich sage ‚Ja‘ zu deutschem Wasser!“

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4 Gedanken zu „Weinrallye#22: Ein durchsichtiges Manöver

  1. Iris sagt:

    um in eher gesellschaftskritischen Ton zu bleiben:-): wie viele kommunale Wasserversorgungen sind inzwischen an internationale Fonds verkauft worden, war da nicht neulich in der Zeit mal eine interessante Aufstellung über profitgierige Großgemeinden in ganz Deutschland zu diesem Thema:-)?

    Aber ich gebe Dir recht, Wasser ist unschätzbar – deshalb bleibt meine Quelle auch fest in meiner Hand!

  2. Pasta sagt:

    Wenn ich mich nicht irre, hat auch die eine oder andre Gemeinde diese http://snipurl.com/g0cei Methode benutzt um ihre Wasserwerke zu verscherbeln.

  3. Iris sagt:

    gibt’s heute zur 23. Weinrallye dann vielleicht einen Beitrag zu Weinen von Winzerinnen? Ich würde mich als Ausrichterin freuen:-).

  4. GuidoM. sagt:

    Heute muss ich leider passen, liebe Iris. Das liegt aber nicht am Thema, sondern am Termin.

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