Großes Weißwein-Kino made in Austria

Fantastische Wachau-Probe bei Kle. Nähere Notizen zu den einzelnen Weinen gibt es an anderer Stelle. Herausheben muss ich aber jetzt schon eine Flasche, die einen grandiosen Schlusspunkt hinter eine Reihe von 13 trockenen Weißweinen (überwiegend aus 2006 und 2007) auf bemerkenswert hohem Durchschnittsniveau setzte.

Doch zunächst ein Wort zur Dramaturgie, die auf die singuläre Qualität dieses Weins ideal vorbereitet hatte: Nach einigen echten Entdeckungen unseres großzügigen Gastgebers folgten auch diverse Flaschen von Wachauer Star-Winzern wie F. X. Pichler und Emmerich Knoll. Während der 07er Grüne Veltliner „Vinothekfüllung“ von Knoll als einer der wenigen Weine des Abends noch nicht recht trinkreif schien, wohl aber ausgezeichnetes Potenzial andeutete, machte mir das Äquivalent aus 2006 deutlich, was mir an beiden nicht ganz behagte: Bei aller technischen Meisterschaft, bei aller Stoffigkeit und Mineralik empfand ich diese Weine in ihrer Machart (und dieser Begriff passt hier wirklich) als zu technisch, kalt und letztlich anstrengend. Gerade der 06er wirkte wie der typische „Proben-Angeber“ – zwar kein Blender, der mehr versprechen würde als er hält, wohl aber ein dicker, lauter Wein (mit 14,5% Alk.!), bei dem die Hand eben nicht zum Glas geht, weil man viel zu schnell satt davon ist.

Die Erklärung eines in dieser Region kundigeren Probenteilnehmers, die Vinotheken-Abfüllungen von Knoll seien eher für den Export und fürs Renommee gemacht, während die preislich etwas darunter angesiedelten Einzelweine eher auf der eleganteren Seite stünden, leuchtete mir unmittelbar ein.

Doch dann kam er (zunächst verdeckt, wie alle Weine; aufgedeckt wurde dann in der Regel paarweise): ein nobler, eleganter, mineralisch durchgezeichneter Wein, perfekt ausbalanciert, lang. Selbst am Ende eines Abends war dieser Tropfen in der Lage, einen sofort in den Bann zu ziehen. Und dann wurde er enthüllt: Emmerich Knoll, Riesling 2006, „Vinothekfüllung“! Da stürzte also wieder ein Erklärungsmuster in sich zusammen …

Es war fast wie ein Fingerzeig, einen solchen Schlusspunkt auch als perfekten, nicht steigerbaren Abschluss eines Probenabends zu akzeptieren, dass die nachfolgend noch aufgezogene 2004er Riesling Auslese von Knoll dann unbarmherzige korkte. Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist – auch wenn ich jetzt einen Euro ins Phrasenschwein werfen muss, hat dieser Satz doch wieder einmal seine Gültigkeit bewiesen.

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3 Gedanken zu „Großes Weißwein-Kino made in Austria

  1. Pasta sagt:

    Bei der Begeisterung die aus deinen Wort spricht, bin ich doppelt sauer auf den fiesen Virus ;-((

  2. Kle sagt:

    habe den Korkwein gerade im Glas und er korkt immer noch nicht. Was ist bloß mit mir los?

    P.S. Gute Besserung, Pasta.

  3. Taillevent sagt:

    Vinotheksfüllungen für den Export?
    Das hättet Ihr wohl gern.
    Schöne Grüße aus Österreich
    Taillevent

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